Intern
    Pädagogik bei Verhaltensstörungen

    Fellowship "Tiefenpsychologie und Sonderpädagogik"

    ein Projekt von Prof. Dr. Roland Stein, Priv.-Doz. Dr. Oliver Hechler, Dr. Volker Fröhlich, Pierre-Carl Link

    Informationen hierfür finden sich zeitnah auf diesen Seiten.

    Auf diesen Seiten entsteht die Konzeption des Fellowshipprogramms "Tiefenpsychologie und Sonderpädagogik" am Lehrstuhl für Pädagogik bei Verhaltensstörungen.

    Konzept

    Folgende Grundthesen liegen dem Konzept zugrunde:
    Die Sonderpädagogik ist wie die Pädagogik im Allgemeinen und wie die Medizin, die Theologie und die Jurisprudenz, eine praktische Wissenschaft, die die Erkenntnisse der Nachbarwissenschaften vom Menschen und deren professionelle Praxen reflektiert und gegebenenfalls im „einheimischen“ pädagogischen und sonderpädagogischen System berücksichtigt. Aktuell erscheinen die Ergebnisse der psychoanalytisch inspirierten Forschung als besonders bedeutsam für die Theorie und Praxis der Pädagogik und Sonderpädagogik. Insbesondere die Forschungsergebnisse der Bindungs- und Mentalisierungstheorie und deren interventionspraktischen Implikationen, fordern einen Dialog zwischen Psychoanalyse und Sonderpädagogik. Dabei geht es keineswegs um eine Asymmetrie in der Beziehung beider Disziplinen zueinander, sondern um eine wechselseitige Reflexion und Nutzbarmachung der Erkenntnisse der jeweiligen anderen Disziplin und deren korrespondierenden professionellen Praxis. In diesem Verständnis geht das Fellowshipprogramm davon aus, dass die Sonderpädagogik eben auch eigene tiefenpsychologische und pädagogische Fragestellungen generiert, die sich so in der Disziplin der Psychoanalyse nicht primär stellen..
     
    Daraus ergeben sich folgende Schwerpunkte für das Programm:
    •    Fortbildung von Studierenden der Sonderpädagogik,
    •    Kennenlernen der „Begriffe“ und aktueller Diskussionsgrundlagen;
    •    Erarbeiten eines eigenen wissenschaftlichen Projektes und
    •    Verfassen einer Abschlussarbeit zu hermeneutischen, methodischen und praktischen Problemen in der pädagogisch tiefenpsychologischen Theorie und/oder Praxis (Vortrag, Essay oder wissenschaftliche Publikation)

    Charakteristikum des Programms ist, dass alle Komponenten durch individuelles strukturiertes Mentoring von beteiligten oder externen Kooperationspartnern, die sich die Teilnehmende des Programms für ihr Projekt auswählen, begleitet werden.

    Ziele:

    (a) Identifizierung und Darstellung einer selbst ausgewählten Problemstellung oder einer Thematik der Psychoanalytischen Sonderpädagogik.   
    (b) Darüber hinausgehend Analyse und Bewertung von Erweiterungsmöglichkeiten in der Ausbildung im Fach „Psychoanalyse und Sonderpädagogik“ zusammen mit Kooperationspartnern verschiedener Disziplinen und Fächer.   
    (c) Klärung des Beitrags, den die Psychoanalyse und Sonderpädagogik zur Reflexion im Diskurs über strukturelle Fragestellungen in der Ausbildung der transdisziplinären Zusammenarbeit und damit im Bildungswesen leisten kann (das Fellowshipprogramm als weiterführendes Modellprojekt).

    Forschungsmethodik:
    (a) Literaturrecherche zu ausgewähltem Thema
    (b) Analyse und Auswertung
    (c) Eigenständige, streng begrenzte Fragestellung
    (d) Vorbereitung der Verschriftlichung der Ergebnisse mit Hilfe von Mentoren des Programms
    (e) Erarbeiten weiterführender Fragestellungen und Forschungsperspektiven

    Zertifikat:

    Insgesamt 14 SWS müssen von Studierenden im Laufe mehrerer Semester aus folgenden vier Bereichen erbracht werden, damit eine Ausstellung des Zertifikates Fellowship „Tiefenpsychologie und Sonderpädagogik“ erfolgen kann.

    Die fünf Säulen des Projektes:

    I Psychoanalyse im transdisziplinären Diskurs: Theorie und Praxis
    •    Psychoanalyticum (1 SWS)
    •    Begleitseminar/ Lektürekurs/ Tutorium (2 SWS)

    Inhalte:
    Eine Einführung in die Theorien und Anwendungen der Tiefenpsychologie bietet eine transdisziplinäre Vortragsreihe. Die Tradition, die Lehre und die Kritik der Psychoanalyse stehen im Mittelpunkt dieser Reihe. Ziel der Vortragsreihe ist es, die Psychoanalyse transdisziplinär zu beleuchten und in ihren verschiedenen Facetten darzustellen.
    Nicht nur an psychologischen, sondern auch an (sonder-)pädagogischen und sonstigen humanwissenschaftlichen Instituten in Deutschland ist die Psychoanalyse immer seltener zu finden. Zwar bestätigen die Neurowissenschaften mit ihren bildgebenden Methoden psychoanalytische Konzepte vom Bewusstsein des Menschen; ihre Befunde zur Natur des Unbewussten können jedoch von der experimentellen Psychologie nur unzureichend beantwortet werden. All dies belebt den Diskurs um die Psychoanalyse.

    Eine einseitige Betrachtung, Idealisierung oder gar Ideologisierung der Psychoanalyse darf es dabei nicht geben. Stattdessen ist ein fachlicher und „frischer“ transdisziplinärer Austausch zwischen WissenschaftlerInnen, PraktikerInnen und Studierenden gefordert.

    Neben „klassischen“ Themen werden auch Grenzgebiete der Psychoanalyse, wie zum Beispiel Philosophie, Psychoanalytische Pädagogik, Bioenergetische Analyse und Gestalttherapie/-pädagogik thematisiert. Erfahrene PsychoanalytikerInnen bereichern als ExpertInnen mit Beispielen aus ihrer therapeutischen Praxis die Vortragsreihe und garantieren einen Wissenschafts-Praxis-Transfer.

    Hierbei ist es wichtig, die Psychoanalyse als psychologische Metatheorie, klinisches Psychotherapieverfahren, Kulturwissenschaft, politische Wissenschaft und als Gesellschaftstheorie zu verstehen.

    Ein besonderer Stellenwert kommt der pädagogischen Dimension der Psychoanalyse und die Anwendungen der Psychoanalyse auf die Erziehungswissenschaften zu.
    Im Begleitseminar werden die Inhalte der Vortragsreihe/ Vorlesung auf die Erziehungswissenschaften, insbesondere auf die Sonderpädagogik bezogen und reflektiert. Außerdem kann im Begleitseminar resp. Lektürekurs schwerpunktmäßig eine Schule der Tiefenpsychologie vertieft betrachtet werden.
    Die Vortragsreihe Psychoanalyticum – Einführung in die Tiefenpsychologie und ihre Anwendungen findet studiumsbegeleitend in der Regel jeden zweiten Mittwoch während der Vorlesungszeit statt (20.00 bis 21.30 Uhr; 1 SWS). Dazu wird am Dienstagabend ein Begleitseminar und/oder Lektürekurs angeboten (18.00 bis 19.30 Uhr; 2 SWS)


    II Einführung in die Tiefenpsychologie
    •    Vorlesung (1 SWS)
    •    Begleitseminar/ Lektürekurs/ Tutorium (1 SWS)

    Inhalte:
    Alle zwei Semester findet eine Einführung in die Psychoanalyse und ihre Schulen statt. Darin soll ein Überblick über diverse tiefenpsychologischen Traditionen gegeben werden, damit die Studierenden ein gemeinsames Verständnis der Geschichte und Theorie der Tiefenpsychologie bekommen. In die Vorlesung begleitenden Tutorien oder Lektürekursen oder Begleitseminaren, soll die Theorie und Praxis der Tiefenpsychologie vertieft werden, damit in anderen Bereichen ein Transfer in die Sonderpädagogik möglich wird.


    III Psychoanalyse und Sonderpädagogik
    •    Ringvorlesung (1 SWS)

    Inhalte:
    Abwechselnd zur Vortragsreihe Psychoanalyticum sollen in der Vorlesung Psychoanalyse und Sonderpädagogik Themen zur Sprache gebracht werden, die innerhalb der verschiedenen Ausrichtungen der Sonderpädagogik mit tiefenpsychologischen Theorien in einen transdisziplinären Dialog gebracht werden. Die Tiefenpsychologie, verstanden als ein Baustein sonderpädagogischer Theoriebildung, kann damit als Referenzdisziplin für die Sonderpädagogik dienen. Auf diesem Forum soll neben externen ReferentInnen auch DozentInnen des Instituts für Sonderpädagogik der Universität Würzburg  eine Plattform gegeben sein, die eigene Arbeit vorzustellen und im Kontext psychoanalytischer Theorie und Praxis zu reflektieren. Über die Vortragsreihe könnten auch Disziplinen, die in Würzburg nicht vertreten sind, wie bspw. die Sehbehindertenpädagogik – wenn auch speziell im Zusammenhang mit der Tiefenpsychologie – inhaltlich einen Platz bekommen. Durch diese Verknüpfung wird sich auch ein wissenschaftlicher Austausch zwischen den Disziplinen der Sonderpädagogik in Würzburg erhofft. Auch Studierende sollen in diesem Rahmen die Möglichkeit haben eigene Forschungsprojekte zu initiieren und vorzustellen. Würzburg blickt im Bereich Psychoanalyse und Pädagogik mit Günther Bittner auf eine lange Tradition zurück, die aufgegriffen werden kann.


    IV Tiefenpsychologische Selbsterfahrung und Fallreflexion
    •    Selbsterfahrung/ Fallreflexion (2 SWS)

    Inhalte:
    Im Rahmen von Seminaren zur Balint-Arbeit und/oder zur gruppenbezogene pädagogischen sowie tiefenpsychologischen Fallreflexion wird die Möglichkeit zur Selbsterfahrung, Inter- und Supervision geschaffen. Studierende lernen dabei ihre Erfahrungen aus Praktika und ehrenamtlichen Tätigkeitsfeldern (bspw. in Beratungsstellen) professionell zu reflektieren.

    V Projekt/ Abschlussarbeit
    •    Abschlussarbeit/ Projektbericht (4 SWS)

    Inhalte:
    Studierende sollen, individuell begleitet von einem/r der DozentInnen, im Rahmen des Fellowships ein wissenschaftliches Projekt verfoglen und eine schriftliche Abschlussarbeit vorlegen.

    Bei Interesse melden Sie sich bei Herrn Pierre-Carl Link unter folgender EMail-Adresse:

    psychoanalyticum@uni-wuerzburg.de

    Kontakt

    Lehrstuhl für Sonderpädagogik V - Pädagogik bei Verhaltensstörungen
    Wittelsbacherplatz 1
    97074 Würzburg

    Fax: +49 931 31-80073
    E-Mail

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